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An der Linde (KW 13/2018)

Autor: Ewok 1. April 2018

Im Laufe der Woche ist viel passiert. Wirklich viel passiert. Und wenn nichts passiert ist, wird einiges passiert gemacht oder andere Sachen interessanter gestrickt, als sie eigentlich waren. Dies muss dann natürlich weitererzählt werden – am besten im Café An der Linde von Marius Werner zusammen mit seinen Gästen, heute dem Studenten Felix Stelz, der Hausfrau Maria West und dem Pendler Herbert Janssen.

Werner: Tja, jetzt, wo der Jesus tot ist und wieder auferstand, ist alles wieder normal, ne? Gott sei Dank ist niemand auf den Gedanken gekommen, darauf basierend eine Religion zu gründen.

Puigdemont auf Abwegen

“Flachland. Gibt’s halt eigentlich nicht wirklich viel zu sehen bei den Fischköppen.” CC BY-SA 3.0 Frank Jäger

Werner: Sagt mal, habt ihr die Sache auch schon mit Pitsch der Mont gehört?
Stelz: Der heißt Puigdemont.
Werner: Sprech ich Spanisch oder was? Sag ich doch.
Stelz: Wenn du Spanisch sprechen könntest, würdest du ihn auch richtig aussprechen.
Werner: Den haben sie jetzt in Schleswig-Holstein festgenommen, nachdem er aus Katalonien geflüchtet ist. In Schleswig-Holstein! Wenn ich mich irgendwo verstecken würde, dann doch irgendwo, wo ich es eher aushalten könnte als dort im Flachland.
Stelz: Der war nur auf Durchreise, der ist vorher in Finnland gewesen und Finnland hat es einfach nur verpeilt, den europäischen Haftbefehl umzusetzen.
West: Was ist das denn für ein Land, dass europäische Haftbefehle nicht umsetzt?
Stelz: Deutschland war ja blöd genug, so etwas zu machen. “Wie, Sie wollen Schleswig-Holstein schon wieder verlassen? Schauen Sie doch mal, THW Kiel, Flensburger Pilsener und oh, Fische haben wir auch! Bleiben Sie doch noch ein wenig, dann bringen wir sie wieder zurück nach Spanien.”
West: Schleswig-Holstein ist doch sowieso nur dazu da, damit Dänemark eine Landbrücke nach Hamburg hat.
Werner: Ich sag euch, das wird nachher noch richtig Probleme geben, wenn sie ihn ausliefern. Und wenn sie ihn nicht ausliefern, auch. Und wenn sie ihn nicht festgenommen hätten, ebenfalls.
West: Also konnte die Polizei nur was falsch machen.
Werner: Na ja, nachher hätte Schleswig-Holstein auch noch Unabhängigkeit unter Puigdemont erklärt. Etwas, wovon Seehofer nachts seine feuchten Träume mit Bayern hat. Stell dir mal vor, das Land mit dem Deich als höchste Erhebung würde noch vor Bayern kommen. Die würden glatt Amok laufen.

Du kommst hier nicht rein

“Der Russe lässt die US-Leute nicht mehr in ihre eigene Botschaft!” CC BY 2.0 Thomas Hawk

Werner: Die würden als erste Reaktion erst einmal Mitarbeiter von Botschaften ausweisen. So wie, hier, Großbritannien und Konsorten.
Stelz: Die verhalten sich alle wie im Kindergarten. Die Briten sagen: “Wir glauben, dass das Gift, das Skripal umbringen sollte, von Russland kommt.” – “Nein, kommt es nicht.” – “Dann habt ihr eure Gifte nicht mehr unter Kontrolle und es dreht irgendwo frei.” – “Nein.” – “Doch.” – “Oooh.”
Werner: Na, es müssen doch die Russen gewesen sein. Das Nervenkampfmittel ist ja dieses Mal nicht mit dem Vorwand an den Mann gebracht worden, jemanden für ein YouTube-Video zu verarschen. Dann wäre es Nordkorea gewesen. Aber so?
Stelz: Wir müssen berücksichtigen, dass wir keine Beweise haben und deshalb-
West: Ich wüsste nicht, weshalb wir den Briten nicht glauben sollten. Die sind doch unsere Verbündeten.
Stelz: Brexit.
West: Ein Ausrutscher.
Werner: Die Russen haben daraufhin genauso viele Mitarbeiter aus ihren Botschaften rausgeschmissen wie die jeweiligen Länder. 60 aus den USA! Sechzig!
Stelz: Immerhin haben sie vorher Twitter gefragt. Da konnte sich Trump dann schon vorher informieren.
Werner: Na ja, werden die Russen schon sehen, was sie davon haben, wenn sie unsere Leute aus ihrem Land rauskegeln, Dann sollen die mal schauen, mit wem sie reden, wenn sie mal Probleme haben.
Stelz: Marius, wir haben ihre Leute auch rausgeschickt.
Werner: Wir haben aber uns.

Bei uns sind Ihre Daten sicher

“Die laufen auf Kaffee.” CC BY 2.0 Nate Grigg

Werner: Und überhaupt, hat Großbritannien eigentlich schon einmal geschaut, was gerade bei Facebook abgeht? Vielleicht weiß Mark Zuckerberg ja mehr über den Anschlag.
Stelz: Der Datenskandal hatte nichts damit zu tun, dass sie wissen, wer wann wo wie bei Skripal war.
West: Ich hatte letztens ein Foto von meinen Kindern hochgeladen und schon habe ich Werbung für Schokolade bekommen, weil die das so gerne mögen.
Stelz: Du isst ständig Schokolade. Du trinkst hier ja noch nicht einmal Kaffee, sondern immer nur Kakao.
West: Na und?
Stelz: Da ist es kein Wunder, dass Facebook glaubt zu wissen, dass du auf Schokolade stehst. Was die aber gerade eher für ein Problem haben, ist die Tatsache, dass mit Cambridge Analytica jemand eine App auf Facebook hatte, die es erlaubt hat, 50.000.000 Datensätze auszulesen.
Werner: Was ist das für eine Zahl, die hat so viele Nullen?
Stelz: Fünfzig Millionen.
Werner: Ah okay, danke.
Stelz: Und das nur, weil am Ende 300.000 – dreihundertausend, Marius – Leute gefragt wurden, ob sie es erlauben, dass auf ihre Profile und die Daten in ihrer Freundesliste zugegriffen werden dürfen.
Werner: Selber Schuld. Die müssen halt auch ihre AGB lesen.
Stelz: Du kennst doch nicht mal die Inhaltsstoffe des Kaffees, den du verkaufst.
West: Und was tut Facebook jetzt, damit ich weniger Schokolade kaufe?
Stelz: Faceboo- … was? Facebook verkauft dir keine Schokolade. Die verkaufen deine Daten.
Werner: Also das, was dieses Cambridge-Dings macht?
Stelz: Ja, irgendwie schon.
Werner: Und dagegen will Facebook vorgehen.
Stelz: Ja.
Werner: Gegen sich selbst.
Stelz: Gegen alles, was nicht sie selbst sind und trotzdem Daten sammelt.
Werner: Pffh.

Vorsicht, krebserregend!

“Das Porzellan steht vermutlich auch im Verdacht, krebserregend zu sein. Wo ist mein Edding?” CC0 1.0 Petr Kratochvil

Werner: Mensch, Herbert! Ich dachte, du kommst heute gar nicht! Ist doch Feiertag.
Janssen: Ich muss immer arbeiten. Gib mir schnell einen Kaffee und dann fahre ich auch gleich weiter.
West: Hast du nicht auch diese To-Go-Becher, Marius?
Werner: Ja?
West: Hast du da auch Warnungen drauf?
Werner: Was für Warnungen?
West: Kaffee ist krebserregend! Haben die im Radio gesagt und deshalb wird jetzt Starbucks verklagt!
Werner: Ganz im Ernst, je nach dem, welche Studie du liest, sind ein, zwei, drei oder keine der folgenden Sachen krebserregend: Tee, Wurst und Teewurst. Gib mir den Becher her.
Janssen: Ich wollte das gerade trinken.
Werner: Kannste auch gleich, Moment…so, bitte.
Janssen: “Vorsicht, alles in deiner Umgebung kann krebserregend sein. Oder auch nicht.”? Was’n das für ein Blödsinn?
Werner: Rechtssicher. Sollen die mich doch mal verklagen

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