Hauptseite Kurzgeschichten Zu spät

Zu spät

Autor: Ewok 1. April 2018

Puh, der Bus war mal wieder zu spät, irgendein komischer Typ wollte mir die Brieftasche klauen und dann wollte die Bahn erst nicht fahren. Sorry Leute, ich entschuldige mich vielmals. Was haben wir denn heute?

“Ich… weiß es nicht.”

Ah, ein Mann im Trenchcoat. Groß gewachsen, hat einen kleinen Schnauzer. In seiner rechten Hand eine Zigarette; er nimmt einen langen Zug. Neben ihm steht eine andere Person, das Gesicht in den Händen vergraben. Sie schluchzt.

“Ich… ich weiß es einfach nicht”, wiederholt die schluchzende Person. “Ich kann es mir einfach nicht erklären, wie es passieren konnte.”

Scheint also eine Detektivgeschichte zu werden. Mit Mord und Totschlag vermutlich. Gerade wurde wohl die Leiche…Gott verdammt, hätte ich das gerne gesehen.
Der Mann im Trenchcoat versucht, den Rauch der Zigarette an der schluchzenden Person vorbeizupusten, trifft sie aber mitten im Gesicht. Sie muss husten.

“Könnten Sie vielleicht bitte…?”

“Nein”, unterbricht der Mann und wirft die Zigarette auf den Boden. “Ich könnte nie.” Er greift in seinen Trenchcoat und wirft der Person einen Bündel Geldscheine ins Gesicht.
…Moment, was?

“Was soll ich mit dem Geld?”, bekommt er als Antwort. “Das wird uns auch nicht helfen! Es wird schon überall nach uns gesucht!”

Ach, das sind gar nicht die Guten?

“Die werden uns hier nicht finden”, sagt er und schiebt die Gardienen eines Fensters beiseite, um einen Blick nach draußen zu werfen. “Niemand vermutet, dass sich die Bankräuber direkt gegenüber der Bank verstecken. Eher glaubt die Polizei, dass wir die Stadt verlassen haben.”

Nein, definitiv nicht die Guten.

“Aber es ging nicht so wie geplant!”, erwidert die schluchzende Person. Wenn sie wenigstens nicht im Schatten sitzen würde, könnte ich sie ja wenigstens näher beschreiben, aber so…

“Nie geht etwas wie geplant. Und deshalb habe ich auch immer gesagt, dass wir improvisieren können sollten.”

“Sie haben unsere Gesichter gesehen!”

“Und wenn schon.”

“Ich mag mein Gesicht.”

“Das…ist schön, denke ich mal.”

“Ich muss es jetzt immer verstecken, wenn ich nach draußen gehe!”

“Dann geh in ein Land, in dem sich die Leute ständig das Gesicht verdecken. Wo es so kalt ist, dass du ständig einen Schal vor deinem Gesicht hast. Wo alle einen Mundschutz vor dem Gesicht haben, damit sie niemanden anstecken. Oder wo alle einen Mundschutz vor dem Gesicht haben, um sich nicht bei Leuten anzustecken, die keinen Mundschutz im Gesicht haben. Sei ein bisschen kreativ.”

Er zündet sich eine zweite Zigarette an. Der wird bestimmt an Lungenkrebs sterben.

“Jetzt müssen wir nur zusehen, dass wir das Geld wegschaffen. Dort hin, wo es gebraucht wird.” Er holt sein zusammenklappbares Handy raus. Scheint also etwas her zu sein, dass sich die Geschichte zuträgt. “Zum Mars.”

Bitte was.

Kommentieren