Hauptseite Aus der Redaktion Von Schreibfaulheit und schizophrenen Schweinehunden

Von Schreibfaulheit und schizophrenen Schweinehunden

Autor: D. E. Orange 21. August 2018

Manchmal bin ich von mir selbst enttäuscht.

Vorgestern schaute ich beiläufig auf die Hauptseite dieses bescheidenden Internetprojekts und stellte entsetzt fest, dass ich schon wieder volle zwei Wochen keinen Handschlag für die Seite gemacht habe. Es ärgerte mich. So schwer ist das doch eigentlich gar nicht. Immerhin habe ich dieses Projekt gegründet, um in regelmäßiger Schlagzahl Artikel zu veröffentlichen. Anderenfalls hätte ich ja genau so gut auch Gesundheitsminister werden können – Schließlich habe ich genau so wenig Ahnung von der Materie wie Jens Spahn, rede ebenso gern den lieben langen Tag über Dinge, die mein Ressort überhaupt nicht betreffen und sehe obendrein noch besser aus als er. Aber Nein – Ich musste ja lieber Autorenkollektiv.org gründen. Da sollte ich die Suppe dann auch auslöffeln.

Nun sitze ich hier nach zwei Wochen schreiberischer Totaltatlosigkeit und frage mich, wie ich denn das schon wieder hinbekommen habe. Das Problem liegt offensichtlich und wie ach so häufig zwischen meinen Ohren. Irgendwo in diesem Gewirr entspringen zwar Tag für Tag wunderbare Ideen für diverse Artikel, aber an gleicher Stelle sitzt auch ein schizophrener Schweinehund, welcher der völligen Überzeugung zu sein scheint, es wäre zwar ganz ganz toll, all diese Ideen innerlich zu diskutieren, auszuarbeiten, auszuwälzen, aber bitteschön NICHTS davon letztendlich zu Papier zu bringen. Das scheint Methode zu haben. Es kann ja auch kein Zufall sein, dass all die Ideen, die mir im Laufe des Tages zufliegen an wirklich jedem Ort einschlagen – Bei der Arbeit, im Auto, unter der Dusche, beim Spaziergang – allerdings nie, wenn ich Zeit habe und abends vor dem Rechner sitze, wo ich sie sofort umsetzten könnte. Aber schön und gut und Zufall oder nicht: Irgendwo ist auch das nichts als eine billige Ausrede.

Natürlich bin ich keiner dieser Leute, die tagtäglich 24 Stunden vor dem PC sitzen und dort einfach ungestört machen, was sie gerade wollen. Meine Tage im Allgemeinen sehen nicht so aus. Ich bin in Vollzeit berufstätig und habe so etwas ähnliches wie ein Sozialleben (Oder das was Menschen, die als Hobby “Artikel fürs Internet schreiben” angeben für ein Sozialleben halten…). Doch wenn ich ehrlich bin, sehen meine Abende nicht selten wirklich so aus, dass ich nicht nur in der Theorie etwas Luft hätte, um deutlich mehr als drei Zeilen am Stück aufs virtuelle Papier bringen zu können – Allerdings ertappe ich mich dann doch meist dabei, wie ich stattdessen lieber irgendwelche Videos auf Youtube schaue oder sich sinnlos im Kreis drehende Diskussionen auf Facebook verfolge oder google die Lebensgeschichte eines semierfolgreichen Rennfahrer aus den 1960er Jahren, anstatt mich aktiv meinem eigentlichen Hobby zu widmen. Am Ende des Tages habe ich dann gelernt, was Kaiser Nero von weiblichen Gladiatoren hielt, aber bin mit meinen Ideen wieder kein Stück weiter. Und irgendwann habe ich sie unter Garantie vergessen. Nun, dann kann es mir auch egal sein.

Ich habe keine Ahnung, warum das so ist. Würde mir die Schreiberei so egal sein, hätte ich sie jetzt nicht bereits mein halbes Leben lang als Hobby betrieben. Und doch ist das Phänomen immer und immer wieder das Gleiche: PC an, Hirn aus, Abend gelaufen, Seite eingeschlafen. Es ärgert mich maßlos. ICH ärgert mich maßlos.

Nun, hier und heute habe ich paradoxerweise ein paar Zeilen aufs virtuelle Papier gebracht, in denen ich mich echauffiere, dass ich wieder zu wenige Zeilen aufs Papier gebracht habe. Als würde dadurch irgendetwas besser werden. Ich sehe es mal Positiv: Wenn ich das nächste Mal nach einer spannenden Doku über Kaiser Neros seltsame Vorlieben zufällig in meine eigene Internetseite zappe, sehe ich als erstes diese komprimierte Selbstanklage aufblitzen. Und vielleicht, ganz ganz vielleicht ist es dann nicht zu spät, um am gleichen Abend noch ein wenig die eigene Scham zu bekämpfen und endlich wieder ein wenig aktiv zu werden.

Und wenn nicht…. Tja. Irgendwann wird Jens Spahn seinen Posten schon für mich räumen. Hoffnung ist alles.

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