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Zur Wahl in Hessen

Autor: Ewok 26. Oktober 2018

Vermutlich Hessen
CC BY-SA 4.0, Simsalabimbam

Hessen – das Bundesland, vor dem man die Leute schon 1984 gewarnt hat. Und damit ein paar Jahre vor Sido.

In Hessen wird am kommenden Sonntag ein neuer Landtag gewählt. “Nun, das ist schön”, denken sich da die meisten Leute vielleicht, “aber ich wohne nicht in Hessen und habe auch nicht vor, in die Stadt mit einem ehemaligen Priester mit goldener Badewanne zu ziehen.” Dazu muss man sagen: Die Badewanne war nicht wirklich aus echtem Gold, für sechs Millionen Euro hätte man in einer bescheidenen 285 Quadratmeter großen Wohnung in Limburg aber zumindest mal eine vergoldete Badewanne holen können. Bischöfe sind halt auch nur Menschen. Reiche Menschen. Aber Menschen.

Es ist aber schade, dass man sich nicht für die hessische Wahl interessiert. Immerhin geht es um eines der größten Bundesländer, die wir in Deutschland haben! Gut, Bayern ist größer. Und Niedersachsen. Und Baden-Württemberg. Und Nordrhein-Westfalen. Und Brandenburg. Und Mecklenburg-Vorpommern. Aber dann kommt Hessen. Top Mittelfeld, und das ist keine schlechte Position, wenn man nicht gerade der FC Bayern ist und gegen Kritiker schießt. Und bei dieser Wahl geht es um etwas. Das sagt man über jede Wahl. Googlet einfach mal “Bei der Wahl geht es um was”. Das sind 203 Millionen Aufrufe. Schlechter kann eine Floskel eigentlich nicht sein, oder?

Ausgangsposition: Bouffier

Bouffier (rechts), Assassine (rechts daneben)
CC BY-SA 3.0, Viet-Hoang Nguyen

Kommen wir aber zu dem Grundständigen, weshalb überhaupt gewählt wird: Dem neuen Landtag. Und mit dem neuen Landtag soll auch ein neuer Ministerpräsident gewählt werden – der derzeit amtierende ist Volker Bouffier von der CDU. Bouffier ist auch der neue Spitzenkandidat der CDU, nachdem Roland Koch keine Lust mehr hatte und Vorstandsmitglied bei Bilfinger wurde. Auf einer Skala von eins bis unerhört ist der Wechsel knapp hinter einem Pofalla. Anders als Pofalla wurde Koch aber im Nachhinein verklagt. Schlechte Aussichten also, wenn Bouffier weiterhin in Kochs Fußstapfen treten will.

Bouffiergilt es also als Ministerpräsidenten abzulösen – auch schon als Eigenschutz. Wer könnte das nicht als die nun aufsteigenden Grünen?

Grün is the new Black

Hier ist ein Foto. Würde mir ja sonst eh niemand glauben.
CC BY 3.0, Metroskop

Hessen war tatsächlich das erste Flächenbundesland, das Schwarz-Grün einführte. Im Allgemeinen scheint Hessen sowieso ein Testfeld für alles mögliche zu sein, war doch Rot-Rot-Grün mit Andrea Ypsilanti früher knapp gescheitert, weil Politiker sich an ihre Versprechen erinnert haben und sie auch mal umsetzten. Oder wo die CDU wie häufiger mal in Hessen heutige AfD-Positionen vertrat. Umso erstaunlicher, dass die Grünen unter Tarek Al-Wazir sich nun mit der CDU verbündet und Volker Bouffier zum Ministerpsäidialamt verhalfen. Aber es kommt noch besser: Die Grünen wollen weitermachen! Nein, wirklich! CDU und Grüne! Die einen wollen den Hambacher Forst abholzen, die anderen wollen ihn beha-
Ah pardon, falsches Bundesland. In Hessen gibt es ja maximal Windräder, die dritte Startbahn des Frankfurter Flughafens und … bestimmt ist irgendwo auch ein Tierchen in Gefahr oder so. Passiert ja immer wieder mal.

TSG zum Dritten

Thorsten Schäfer-Gümbel ist der Spitzenkandidat der SPD in Hessen. Er tritt mittlerweile fast so lange als Spitzenkandidat an wie Angela Merkel Kanzlerin ist – vier Jahre fehlen noch. Aber über den langen Zeitraum ist das jetzt auch nicht so ausschlaggebend – es gibt Kinder, die sind schon fast mit der Grundschule fertig und den einzigen SPD-Spitzenkandidaten, den sie kennen, ist TSG. Wenn die irgendwann mal Politikunterricht haben, denken sie sich vermutlich auch, dass die SPD in etwa so wandlungsfähig ist die die Person im Bundeskanzleramt.

Damals, 2008: Ypsilanti, Al-Wazir, Kommunisten, alles dieselben! Einfach feste druffknüppeln.
CC BY-SA 3.0, CDU

Das Besondere an TSG ist aber auch, dass er im selben Wahlkreis wohnt wie Volker Bouffier und es nun im Wahlkreis Gießen II zum fünften Mal heißt: Wählen Sie bitte Ihren Ministerpräsidenten direkt. Volker Bouffier oder TSG. Vorausgesetzt natürlich, die Grünen überholen nicht die SPD und es gibt eine Grün-Rot-Rote Koalition, aber pffh, wer will das schon?  Lustig wird es dann, wenn Bouffier verliert: Als Ministerpräsident säße er dann nicht mehr im Landtag. Das muss er nicht unbedingt – er wäre nur dann nicht wählbar, wenn er vor 1918 in irgendeinem Land regiert hat. Puh. Knapp daneben.

Wir machen nicht mit. Grundsätzlich nicht.

Leider können wir nicht viel über die AfD berichten. Also, wirklich nicht. Wir würden gerne. Zum Beispiel, dass Teile der AfD die Identitären für töfte hält. Oder dass man Leute gerne mal mit Fegefeuer bedroht. Oder dass ein AfD-Wahlhelfer Wähler*innen mit einer Waffe bedroht. So kann man bestimmt die Leute überzeugen, wählen zu gehen!

Leider, leider können wir so etwas nicht behandeln, denn die AfD hat sich geweigert, sich porträtieren zu lassen, um die Wahlentscheidungen zu erleichtern. Deshalb können wir auch keine Wahlempfehlung für die AfD aussprechen. Schade.

Todesstrafe? Warum nicht?

Der Landtag ist aber nicht das Einzige, worüber abgestimmt wird. Es gibt da noch ein Problem mit der Landesverfassung, die jetzt geändert werden soll. Muss. Und nach mehr als 80 Jahren merkt auch Hessen, dass die Todesstrafe eigentlich echt kacke ist. Dummerweise hat man sich noch 1946, bei der Gründung des Landes Hessen, gedacht, dass die Todesstrafe doch eigentlich echt super ist. Sie wurde nur nie angewandt, denn mit dem Grundgesetz wurde die Todesstrafe generell abgeschafft. Wer allerdings für die Todesstrafe ist, kann sich jetzt dafür entscheiden und gewinnt…nix. Außer vielleicht ein schlechtes Gewissen, dass man doch ein paar Tote sehen will. Dafür kann man aber auch die Nachrichten einschalten.

Internationales Interesse

Es sind vermutlich mehr Kameras als Journalisten anwesend.
CC BY-SA 3.0, Ralf Roletschek

Die Wahl in Hessen ist aber aus noch einem anderen Grund entscheidend: Zahlreiche Leute sagen, dass dies eine Schicksalswahl für Merkel werden könnte. Auch, wenn Merkel gar nicht zur Wahl steht, sondern eben halt Bouffier…oder TSG…oder Al-Wazir…oder die Typen der AfD, von denen wir niemanden kennen, weil sie beim hr keinen Bock auf Interviews hatten. Aber man sagt sich halt “Och, die CDU, da ist doch die Merkel drin, dann wähle ich die Partei mal.” Oder eben halt nicht. Ist doch völlig egal, dass es um Landespolitik geht und nicht um Bundespolitik.

Wobei…vielleicht doch. Sollten die Grünen bei den Koalitionsverhandlungen rausfliegen und es Schwarz-Rot geben, bräuchte die Koalition der Bundesregierung nur noch die Freien Wähler für ihre Gesetze überzeugen – vorausgesetzt, die CSU koaliert in Bayern mit den Freien Wählern. Das wäre…doch eigentlich eine Bestätigung der bishereigen Bundesregierung? Ach shit, Politik ist kompliziert.

Das Ganze sorgt dafür, dass sich sogar Japaner für die Wahl in Hessen interessieren. Dabei sind deren eigene Wahlkämpfe an sich schon aufregend genug.

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