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Liebesperlensuppe

Autor: D. E. Orange 16. Februar 2020

Am Valentinstag 2020 war ich zu Gast beim CafeSATZ in Gelsenkirchen mit einem etwas spezielleren Format. Wir Autoren hatten die Aufgabe, unseren ersten Text des Abends live auf der Bühne zu schreiben, während ein Musiker uns quasi als Vorband dienend die Bühne vor uns in Beschlag nahm.

Weil dies natürlich noch nicht schwierig genug war, mussten insgesamt 10 Begriffe, die zuvor vom Publikum bestimmt worden waren Bestandteil in ebenjenem Text sein:

  1. Rubbeldiekatz

  2. Maggiwürfel

  3. Eierlikör

  4. Greta

  5. Toilettenpapierhalter

  6. Liebesperlen

  7. Urgroßmutter

  8. Kirchturmwetterhahn

  9. Gummibären

  10. Papagei 

Bonus:

  1. Coronavirus

  2. Siebengebirge

Die Schreibzeit betrug 40 Minuten. Die Reihenfolge in der oben genannte Wörter im Text vorkommen mussten war optional. Ich habe dennoch versucht, die korrekte Reihenfolge einzuhalten.

Und hier ist das Ergebnis:

 

Liebesperlensuppe

Noch ein Schöpper Suppe?“ fragt Omma und hält mir die 50 Jahre alte Monströsität vor die Nase die sie aus mir unerfindlichen Gründen als Kochtopf bezeichnet.

Klar“, sage ich im Wissen, dass ich ohnehin keine andere Wahl habe.

Es ist Samstag-Nachmittag. Dortmund spielt gerade gegen Bayern, aber egal – Das bekomme ich gerade eh nicht mit. Kein „Heja BVB“, kein „Rubbeldiekatz am Borsigplatz“, stattdessen 60er-Jahre Küchenoptik und der penetrante Geruch nach abgestandenen Maggiwürfeln aus der Willy-Brandt-Ära. Hach. Herrlich.

Ich schiele auf die Flasche Eierlikör im Regal und der stetige Wunsch mich damit gebührend zu sedieren steigt von Minute zu Minute. Doch die 3 Meter Distanz zwischen mir und Regal kommen mir gerade schier unendlich vor. Ja, man ist träge geworden, seit man die 30 überschritten hat.

Früher wäre ich an einem Samstag wie diesem eben ins Auto gehüpft, nach Dänemark gefahren und surfen gegangen. Ist nicht mehr. Das Auto bleibt heute im Zweifelsfall stehen. Immerhin verursacht das weniger Feinstaub. Greta gefällt das.

Übrigens, der Toilettenpapierhalter ist wieder defekt. Kannst du ihn vielleicht wieder anschrauben?“ fragt Omma und schaut mich erwartungsfroh an.

Klar.“ murmele ich, vergesse die Sache bereits wieder im gleichen Moment und rühre gedankenverloren in der Suppe herum. Was schwimmt da eigentlich? Sind das etwa Liebesperlen? Ach du Scheiße…

Ähm… Omma? Wat is dat?“ frage ich und zeige auf das Etwas in meiner Suppe.

Ein Rezept von Urgroßmutter antwortet Oma

Ja toll. Die Aussage hilft mir jetzt auch nicht weiter. Hoffe ich.

Hach ja, Urgromutter“ sagt Omma verträumt. „Sie hat mir damals dieses Rezept auf ihrem Sterbebett vermacht. Wirklich ein Jammer, dass sie so früh von uns gegangen ist.“

Sie hätte sich vielleicht nicht an den Kirchturmwetterhahn hängen sollen. Es sollte doch jedem klar sein, dass das Ding keine 150-Kilo-Matrone aushält, die daran herumschwingt nur um dem Pfarrer schöne Augen machen zu wollen.“

Fair Point“ antwortet Omma und räumt die Teller ab. Seit wann kann sie denn Englisch? Egal. Zum Nachtisch wirft sie mir eine Tüte Gummibären vor die Nase. Sie trifft mittig ins Gebälk. Es blutet heftig.

AUA!“ brülle ich, greife nach der Küchenrolle und versuche die Blutung zu stillen.

Scheiße“ murmele ich. Einmal. Zweimal. Dreimal. Siebenmal. Neunundvierzigmal.

Kär. Hör auf damit. Du bist ja schlimmer mit dem Wiederholen wie mein Papagei damals. Also als ich DEN mit den Gumminbärchen beworfen hab, hat der NIX gesagt.“

Ja. Nie wieder. Ich erinnere mich gut.“ sage ich, während die Rolle langsam durchblutet. Ja, Omma war früher hauptberufliche Hammerwerferin und hat nichts davon verlernt.

So eine kaputte Nase ist aber immer noch besser als das Cononavirus.“ bemerkt Omma schnippisch. Dem ist wenig hinzuzufügen. Ich stehe auf. Es ist spät geworden und ich muss heute Abend noch bis ins Siebengebirge fahren, wenn Dänemark schon zu weit geworden ist. Vielleicht bekomme ich während der Fahrt ja sogar noch die zweite Halbzeit mit, auch wenn ich mir nicht sicher bin, inwieweit Greta das gefallen mag…. Aber sind wir ehrlich, was schert mich das?

Was ich jedoch ganz sicher weiß ist, dass ich nächste Woche wieder hier, hier in Ommas Küche sein werde und wieder undefinierbare Liebensperlensuppe nach Urgroßmutters Geheimrezept essen werde. Warum? Weil ich es kann. Denn wer weiß, wie lange ich es noch kann? Der Wetterhahn hängt noch und bei DEN genetischen Vorschäden ist Omma ja generell alles zuzutrauen.

Aber so oder so – Die Zeit mit Omma ist zu kostbar um sie nicht zu nutzen: Von daher – Omma, wir sehen und nächste Woche Samstag. Dortmund spielt dann übrigens zeitgleich in Bremen.

Rubbeldiekatz!

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