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Kopulationsverhandlungen

Autor: D. E. Orange 8. August 2020

Ich habe in letzter Zeit häufig feuchte Träume. Ich behaupte zumindest mal dass es welche sind, denn immerhin wache ich von ihnen schweißgebadet auf.

Das ist schlimm.

Und nervig.

Ich schwitze von Natur aus sehr viel. Würde man auf die Idee kommen, mich im Hochsommer in einen beliebigen Wald zu stellen, ich könnte die Bäume ganz allein vor der Trockenheit bewahren. Es kommt aber zum meinem Glück keiner auf die Idee, also wache ich jeden Morgen in meinem eigenen Bett auf und werde dabei hin und wieder von der Hupe
einer Fähre geweckt, die den morgendlichen Shuttlebetrieb zwischen meinem Schlafzimmer und den anderen Räumlichkeiten aufgenommen hat, weil die gesamte Wohnung mal wieder Eineinhalb Meter hoch in der Schlonze schwimmt.

Dämliche Träume. Und sie machen noch nicht einmal Spaß.

Letztens war es wieder so weit; Ich schlafe ein und finde mich auf einer zweispurigen Landstraße wieder, die  sich durch eine weite, einsame Prärielandschaft schlängelt.

Ich hocke auf dem Soziussitz einer mächtigen Harley Davidson und schaue nach vorn auf den Rücken von etwas, was ich nach Abschätzung von Größe und Körperform als Frau identifiziere. Details lassen die schwarze
Lederkluft und der ebenfalls schwarze Helm leider nicht erkennen.

Ich drehe den Kopf zur anderen Seite und entdeckte neben mir eine zweite Harley Davidson, die stur auf der Gegenfahrbahn fährt und der der sehr seltene Gegenverkehr respektvoll ausweicht. Der Mann am Steuer ist Lemmy Kilmister. Unverkennbar

Natürlich trägt Lemmy keinen Helm. Stattdessen sitzt auf seinem Kopf der obligatorische schwarze Cowboyhut mit zwei gekreuzten goldenen Klingen auf der Vorderseite. Er scheint angetackert, denn er bewegt sich auch im heftigsten Fahrtwind keinen Milimeter. Zum Schutz seiner Augen trägt Lemmy zwei Sonnenbrillen übereinander. Die berühmten Fibrome auf seiner Wange wippen fröhlich im Takt der Bodenwellen. Was für eine Erscheinung.

Mit dem Kinn deutete Lemmy auf die Frau vor mir und raunte mir zu „It’s a Bomber!“

Schön, denke Ich. Diese Art Traum also. So lasset die Spiele beginnen!

Im nächsten Moment taucht links ein Schild auf. „Schnapsbrennerei“ steht dort. Lemmy bremst scharf, kommt ein Stückchen zu spät zum Stehen und fährt ansatzlos rückwärts die Einfahrt hoch. Ich wusste bis dahin nicht dass Motorräder Rückwärtsgänge haben aber gut….  Ganz schön lehrreich
ist es das hier.

Nun sind wir allein.

In der selben Sekunde gibt die Frau vor mir unvermittelt Gas. Ich gerate in
Rückenlage, mein Kopf nähert sich der Fahrbahn, doch ich halte mich oben. 10 Minuten. 15. Dann ein abruptes Bremsen. Wir stehen vor einer kleinen Hütte. Die Frau steigt ab, nimmt mich unvermittelt in den Schwitzkasten, zerrt mich ins Innere und wirft mich auf ein klappriges Bettgestell im einzigen Raum der Hütte. Breitbeinig stellt sie sich ans Fußende des Bettes, stemmt die Hände in die Hüfte und betrachtet die Szene vor sich. Ich bin starr vor Angst.

Im nächsten Moment klatscht sie einmal kräftig in die Hände. Wie von Zauberhand sausen alle Rolladen herab. Nur eine flackernde Glühbirne erhellt noch den Raum. Dann nimmt die Frau den Helm ab. Es ist Annegret
Kramp-Karrenbauer.

Und Nein, sie belässt es nicht beim Helm.

Ich versuche die Augen abzuwenden. Mein Blick fällt auf ein gerahmtes Bild. Es zeigt Konrad Adenauer, der in Feinrippunterwäsche an einem Schreibtisch sitzt und lasziv den kleinen Finger seiner rechten Hand ableckt, den er wohl zuvor in ein vor ihm stehendes Kölsch-Glas getunkt hat.


„Hey. Die Musik spielt hier.“ ruft Annegret schroff und ich wende mich wieder ihr zu. Sie hat die Motorradmontur inzwischen vollständig abgelegt und trägt ein BDSM-Kostüm mit schwarzen Lederstrapsen. Auf ihrem rechten Oberarm zeigt eine Tätowierung einen breit lächelnden Helmut
Kohl, umschlungen von einem Herz.

Ich möchte fliehen, doch es geht nicht. Meine Beine
gehorchen nicht. Ich bin in einer Schockstarre gefangen.

„Und jetzt machen wir es konservativ, Robert“  haucht Annegret ganz im rustikal-bürgerlichen Stile einer angegrauten Saarlandkaff-Orlowski nach zwei Humpen Moselwein. Und vor allem:  „Robert? Wer zum Henker ist
Robert?“ Aber mir bleibt keine Zeit eine Antwort zu finden, denn Annegret zieht eine P38 aus ihrem Lederstraps und schießt die Glühbirne aus. Sie tut es nur im Dunkeln. Ganz wie in den 50ern, als Licht noch progressive Zukunftsmusik war.

Ich schließe mit meinen Lenden ab, da reißt jemand eine der Rolladen hoch und räuspert sich.

Annegret hält ein. Wir schauen uns um. Am Fenster steht Willy Brandt. Er trägt nichts bis auf eine rote Clownsnase zwischen seinen Beinen.

„Wir wollen mehr Demokratie wagen“ wirft Willy in die irritierte Runde. „Die SPD ist bereit für Kopulationsverhandlungen.“

„Sie?“ fragt Annegret verdutzt.

„Ja wer denn sonst? Olaf Scholz etwa? Wir haben keinen echten SPDaddy mehr und so lang das so ist werde ICH das regeln.“ entgegnet Willy, bevor er feierlich die Brust rausstreckt, die Hände in die Hüften stemmt und
verkündet: „Und jetzt möchte ich von euch mit Mettwurst eingerieben werden.“

“Nur wenn es sich um Schweinefleisch handelt, etwas anderes kann ich meinen Wählern nicht vermitteln.“ antwortet Annegret ohne zu zögern.

Ich glaube nicht was ich hier höre. Ich muss hier raus verdammt.

Ich sehe mich nach einer Möglichkeit um diesen Politpuff zu verlassen, da naht meine Rettung. Mit einem gewaltigen Tritt sprengt jemand die Tür aus den Angeln.

Lemmy!

Lemmy sieht sich um.

Lemmy registriert das Treiben.

Dann zieht er eine Spielkarte aus seiner Lederkutte und schreit
„THE ACE OF SPADES! THE ACE OF SPADES!“

Keiner weiß, wieso.

Fragende Blicke.

Für einen schier endlosen Moment scheint die Zeit innerhalb der Hütte still zu stehen. Doch die Endlosigkeit ist gerade eben genug für mich. Ich spüre meine Beine wieder und nehme sie sogleich in die Hand. Ich stürze an Lemmy vorbei zur Tür hinaus. Licht. Luft. Freiheit. Ich werfe mich auf
eines der Motorräder und gebe Gas. Bloß weg von hier. Hoffentlich verfolgt mich niemand. Ich blicke in den Seitenspiegel…..und erstarre.

Das Gesicht, dass mich aus dem Spiegel anstarrt ist nicht meines, sondern das von Robert Habeck.

Das ist zuviel für mich. Schreiend verreiße ich die Maschine und katapultiere mich selbst in den einzigen Baum am Wegesrand.

Von diesem Aufprall wache ich auf.

Zitternd starre ich nach links auf die SPD-rot blinkende Digitalanzeige
meines Weckers. Es  5 Uhr 32.

Sehr gut.

In 3 Minuten kommt die Fähre in Richtung Küche. Ich habe jetzt große Lust auf Mettwurst.

 

 

(Hinweis der Redaktion: Dieser Text wurde ursprünglich als Bühnentext konzipiert und wird durch D.E.Orange unter bürgerlichem Namen als solcher verwendet. Sollte er Ihnen zufällig in diesem Zusammenhang über den Weg laufen, sagen Sie nicht, wir hätten Sie nicht gewarnt)

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