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Bühnentexte

Vor mir steht ein frisch 30 gewordener Mann mit halb herunterhängender Hose, einem auf links getragenen T-Shirt mit dem Logo einer Punkband aus den 90ern, einem Bier in der einen Hand und einer Kiste Bacadi in der anderen. Hinter ihm, den Hügel herab die Silhouette einer Stadt. In einer gerechten Welt wäre dies Los Angeles. Aber die Welt ist nicht gerecht - wir alle wissen wir das -  und so ist es Herne, was da vor uns liegt und im wolkenverhangenen Abendlicht flimmert. Schön ist das nicht. Aber was soll man machen?
14. November 2021 0 Kommentar
Ich habe mir noch nie große Gedanken über den Tod gemacht. An ein Leben nach dem Tod habe ich nie wirklich geglaubt. Ich hatte bis jetzt ja schon oft genug Probleme mit der korrekten Vorstellung bezüglich eines Lebens VOR dem Tod, also welche Illusionen hätte ich mir schon über die Zeit hinterher machen sollen? Aber was, wenn da doch etwas ist? Was, wenn die Ägypter Recht hatten und der Körper sich nach seinem Tod auf eine lange Reise begibt? Wie doof wäre ich denn dann, mir diese Gelegenheit entgehen zu lassen?
29. August 2021 0 Kommentar
Meine Heimatstadt heißt Wanne-Eickel und sie weiß genau so wenig wie ich, was sie eigentlich darstellen soll. Wanne-Eickel bildet den geographischen Mittelpunkt des Ruhrgebiets, hat 65.000 Einwohner – Zum Vergleich, das ist mehr als Schweinfurt, Emden und die komplette Eifel – gibt sich aber ansonsten allergrößte Mühe wie das Abziehbild eines beliebigen Kuhkaffs zu wirken - Nur halt ohne Kühe. Und alle anderen Dorfklischees
20. Juli 2021 0 Kommentar
Unten links in meinem Wohnhaus wohnt ein älterer Herr. Sein Name ist Willi. Zumindest das ist sicher. Wie alt genau Willi eigentlich ist - das wiederum weiß niemand. Nicht einmal die Paläontologen die ihn jeden Mittwoch besuchen sind sich in dieser Frage wirklich einig. Fakt ist, es sind wohl ein paar Jahre mehr. Aber Willi ist ein moderner Mann. Er nutzt sogar ein soziales Netzwerk. Aber nicht Facebook oder Instagram, nein, Willi nutzt sein eigenes Netzwerk. Eine kleine, schwarze Pinnwand gleich neben der Kellertreppe. Willi nutzt Treppenhaustwitter.
14. November 2020 0 Kommentar
Ich denke jeder von wurde bereits mindestens einmal in seiner Erwartungshaltung nachhaltig enttäuscht und dies ist nicht einmal ein besonders aktuelles Phänomen; Noch in den 1950ern war man der allgemeinen Überzeugung, im Jahre 2020 hätte die Menschheit ihren Lebensmittelpunkt ins All verlegt, alle Krankheiten wären heilbar und das Wissen der Welt wäre grenzenlos. Die Realität sieht minimal anders aus.
1. Juni 2020 0 Kommentar
Irgendwann ab Anfang 30 verschwimmt diese magische Grenze zwischen angeborener Unzurechnungsfähigkeit und beginnender Mitlifecrisis. Anders kann ich mir den Tag nicht erklären, an dem mein Kumpel Basti in Tarnklamotten und einem eher mittelteuren Decatlon-Schlafzelt vor meiner Tür stand, mit vor Pathos triefender Singsangstimme fragte „Lust auf ein Abenteuer, ganz wie damals in den wilden 20ern?“ und ich aus mir unerfindlichen Gründen das ganze auch noch ungeprüft bejahte.
26. Mai 2020 1 Kommentar
Ich bin ja generell der Meinung, kleine Traditionen verschönern das Leben. So wie der regelmäßige Pokerabend, den meine Freunde und ich einführten um uns nach Beendigung unser Schullaufbahn doch noch regelmäßig sehen zu können. Das war 2007. Wir machen das bis heute. Zuverlässig, jeden dritten Freitag. Klar, der ein- oder andere wird sich jetzt fragen „12 Jahre lang jeden dritten Freitag Poker – wird das auf Dauer nicht öde?“  Ja. Klar wird es das.
8. Dezember 2019 2 Kommentare
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