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Kurzgeschichten

Vor mir steht ein frisch 30 gewordener Mann mit halb herunterhängender Hose, einem auf links getragenen T-Shirt mit dem Logo einer Punkband aus den 90ern, einem Bier in der einen Hand und einer Kiste Bacadi in der anderen. Hinter ihm, den Hügel herab die Silhouette einer Stadt. In einer gerechten Welt wäre dies Los Angeles. Aber die Welt ist nicht gerecht - wir alle wissen wir das -  und so ist es Herne, was da vor uns liegt und im wolkenverhangenen Abendlicht flimmert. Schön ist das nicht. Aber was soll man machen?
14. November 2021 0 Kommentar
Unten links in meinem Wohnhaus wohnt ein älterer Herr. Sein Name ist Willi. Zumindest das ist sicher. Wie alt genau Willi eigentlich ist - das wiederum weiß niemand. Nicht einmal die Paläontologen die ihn jeden Mittwoch besuchen sind sich in dieser Frage wirklich einig. Fakt ist, es sind wohl ein paar Jahre mehr. Aber Willi ist ein moderner Mann. Er nutzt sogar ein soziales Netzwerk. Aber nicht Facebook oder Instagram, nein, Willi nutzt sein eigenes Netzwerk. Eine kleine, schwarze Pinnwand gleich neben der Kellertreppe. Willi nutzt Treppenhaustwitter.
14. November 2020 0 Kommentar
Ich bin mein Leben lang immer ganz gut ohne Religion klar gekommen. Religion ist für mich sehr viel Schein und um so weniger Sein. Ein halbgares Gebilde aus Ritualen, unumstößlichen. aber manchmal erschreckend leicht widerlegbaren Tatsachen und einer oft doppelten, wenn nicht gar dreifachen Moral, die mich schon als Kind eher abstieß als anzog. Doch nun ging mir ein Licht auf – Wenn ich bislang keine Religion gefunden habe die mir zusagt, dann bastle ich mir doch einfach selbst eine
11. November 2020 0 Kommentar
Irgendwann ab Anfang 30 verschwimmt diese magische Grenze zwischen angeborener Unzurechnungsfähigkeit und beginnender Mitlifecrisis. Anders kann ich mir den Tag nicht erklären, an dem mein Kumpel Basti in Tarnklamotten und einem eher mittelteuren Decatlon-Schlafzelt vor meiner Tür stand, mit vor Pathos triefender Singsangstimme fragte „Lust auf ein Abenteuer, ganz wie damals in den wilden 20ern?“ und ich aus mir unerfindlichen Gründen das ganze auch noch ungeprüft bejahte.
26. Mai 2020 1 Kommentar
Ich bin ja generell der Meinung, kleine Traditionen verschönern das Leben. So wie der regelmäßige Pokerabend, den meine Freunde und ich einführten um uns nach Beendigung unser Schullaufbahn doch noch regelmäßig sehen zu können. Das war 2007. Wir machen das bis heute. Zuverlässig, jeden dritten Freitag. Klar, der ein- oder andere wird sich jetzt fragen „12 Jahre lang jeden dritten Freitag Poker – wird das auf Dauer nicht öde?“  Ja. Klar wird es das.
8. Dezember 2019 2 Kommentare
„Scheiß die Wand an, ist der Nahverkehr teuer geworden“ denke ich als ich am Ticketautomaten stehe und ein Tagesticket für eine Hin- und Rückfahrt nach Essen ziehe. Ich fahre nicht oft mit den Öffentlichen. Nicht aus Prinzip. Ich habe einfach gern ein Lenkrad vor der Nase. Solange es die in der Bahn nicht serienmäßig in jeder Sitzreihe gibt bin ich daher nur mäßig beeindruckt.
28. September 2019 0 Kommentar
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