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Tresen der Bekloppten

Autor: D. E. Orange 1. April 2018

Sie saß allein an der Bar, als er aus dem Schatten trat und sich zu ihr gesellte.

„Trinken Sie?“ fragte er.
„Nur wenn ich trinke.“
„Und wann ist das?“
„Sobald ich nichts anderes tue.“ sagte sie und wandte sich ab.
„Sie kommen mir bekannt vor…“ setzte er erneut an.
„Hören Sie, wenn Sie mich anmachen wollen, fragen Sie nach einem Termin. Und wenn ich reden will, tue ich das mit meinem Frisör. Sind Sie Frisör?“
„Sehe ich so aus?“
„Sie sehen aus wie ein fetter Elvis, der seit vier Wochen in der Mülltonne schläft.“
„Das ist keine Tonne, es ist ein Container! Und ich zahle Miete dafür. So!“ Er verschränkte die Arme und drehte ihr den Rücken zu. Sie verdrehte die Augen.
„Okay.“, sagte sie. „Zahlen Sie die Miete kalt oder warm?“
„Mittel. Der Container steht im Schatten.“
„Ach?“
„Ja. Ich habe lange danach gesucht. Die Maklerin ist fast verrückt geworden.“
„Für Container gibt’s keine Makler.“
„Nicht? Okay. Dann war sie wohl doch bereits wirklich verrückt. Das erklärt, warum sie den Vertrag auf einem Stück Klopapier aufgesetzt hat. Mit Mayonaise geschrieben.“
„Mietverträge sind nur mit Ketchup gültig!“ mischte sich der Barkeeper ein.
„Welche Marke?“ fragte er.
„Ist das wirklich wichtig?“ fragte sie.
„Sie haben mir doch gesagt, dass es für Container keine Makler gibt. Also was denken Sie?“ fuhr er sie an.
„Schon gut.“ murmelte Sie und wandte sich ihrem Glas zu.
„Wollen wir zu mir oder zu dir?“ fragte er plötzlich,
„Was?“
„Wir können auch zu mir. Also hier. Das ist kürzer.“, sagte der Barkeeper.
„Hallo??“ rief sie.
„Keine Zeit für Begrüßungsfloskeln! Auf jetzt!“ rief er und packte sie am Arm.
„Spinnen Sie?“
„Nein. Spinnen haben acht Beine. Ich habe nur drei. Zwei am Körper und eines im Rucksack. Wollen Sie es sehen?“
„Was? NEIN!“
„Ist es ein gutes Bein?“ fragte der Barkeeper.
„ Ich glaube schon. Es ist mir zugelaufen. Das machen gute Beine doch, oder?“, antwortete er.
„Oh ja.“
„Ihr seid doch alle wahnsinnig!“ schrie sie.
„Korrekt.“ sagte er. „Ausnahmslos.“
„Das ist mir zu creepy!“ sagte sie panisch. „Ich verschwinde von hier.“
„Aber wieso denn?“
„Soll ich ihnen ein Taxi rufen oder nehmen sie das Schwarze Loch gegenüber der Haltestelle?“ fragte der Barkeeper
„Das zum Jupiter?, fragte er.
„Nein, es ist Dienstag. Da geht es nach Quickborn.“ sagte der Barkeeper.
„Ich bin von Doofen umgeben!“ schrie sie und verließ die Bar.
„Was war das denn für eine Verrückte?“ fragte er den Barkeeper.
„Keine Ahnung. Diese Normalen werden immer seltsamer.“ sagte der Barkeeper und spülte ein imaginäres Glas in seiner Hand.
„Ein Tropfen Rattengift?“
„Nein Danke, ich muss noch Dreirad fliegen.“
„Okay.“ sagte der Barkeeper und leerte die Kasse ins Plumpsklo hinter seiner Theke.

1 Kommentar

HarryCane
HarryCane 17. Februar 2018 - 01:31

Ähm ja, eine Episode, die einen direkt in eine etwas andere Welt zieht. Und schon könnte man den Eindruck gewinnen, normal zu sein. Aber das ist natürlich ein Trugschluss, der durch den Vergleich mit einem ungewohnten Extrem zustande kommt.

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