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Hart. Bei Krombacher

Autor: D. E. Orange 26. Juli 2018

Guten Abend. Mein Name ist Jens Hart und ich berichte heute live aus Kreuztal im schönen Siegerland, wo die bekannte Bierbrauerei „Krombacher“ ihren Hauptsitz hat. Bei mir zum Interview ist nun Björn Scherer, der Pressesprecher der Brauerei. Guten Tag, Herr Scherer.

Scherer: “Guten Tag”

Hart: “Herr Scherer, die Krombacher-Brauerei ist unlängst in die Kritik geraten, da sie seit einem guten Jahr mit Nestle kooperiert und….”

Scherer: „Sehen Sie, hierzu sei zu sagen, dass der Deal mit Nestle ein völlig normaler Vorgang zwischen zwei Konzernen ist. Seit dem 1.Januar vertreiben wir gemeinsam mit Nestle Waters die Marke „Nestea“ auf dem deutschen und österreichischen Markt. Daran ist überhaupt nichts ungewöhnlich“

Hart: „Dennoch hagelt es ja offenkundig Kritik, vor allem hin sichtlich der Geschäftspraktiken von Nestle im Allgemeinen und Nestle Waters im Speziellen, die Ihnen ja eigentlich bekannt sein sollten.“

Scherer: „Nestle tut, was man als Konzern von Weltformat einfach tut. Sie suchen sich ihre Wege zum Erfolg, tragen einen Teil bei zum globalen Zusammenhalt und tun Gutes für die Menschheit. Und jede Kritik daran ist meiner Expertise nach absolut ungerechtfertigt.“

Hart: „Sie wollen doch nicht ernthaft behaupten Nestle täte Gutes, wenn sie Menschen in der Dritten Welt das Recht auf freies Trinkwasser verwehren?“

Scherer: „Für ihre Aktionäre tun sie damit sogar etwas SEHR Gutes. Es kommt halt immer auf den Blickwinkel an, Herr Hart.“

Hart: „Aus meinem Blickwinkel wirkt es eher befremdlich, wenn eine Firma wie die Ihre, die seit Jahren möglichst medienwirksam mit ihrem Hang zum Umweltschutz – Stichwort „Rettung des Regenwalds“ – kokettiert mit einer Firma zusammenarbeitet, die das dann doch deutlich anders sieht..“

Scherer: „Das kann ich nicht bestätigen. Unsere Firmen treten beide stark für den Umweltschutz ein. Lediglich das Habitat ist ein anderes. Dies ist auch einer der Gründe, weshalb diese Kooperation sich einfach anbot.“

Hart: „Wie meinen Sie das?“

Scherer: „Ganz einfach: Mit jedem Kasten Krombacher sichern sie einen Quadratmeter Regenwald am Amazonas und mit jedem Kasten Mineralwasser von Nestle sichern Sie einen Quadratmeter Wüste in der Sahelzone. Völlig identische Firmenphilosophie, verteilt auf die schönsten Teile des Planeten.“

Hart: „Sehen das die Einwohner auch so?“

Scherer: „Wie ich Ihnen schon eingangs erklärte, vertreiben wir lediglich in Deutschland und Österreich. Irgendwelche Leute in Hinteralgerien sind nicht zuelgruppenrelevant und damit für uns kein Thema. Aber ich bin sicher, dass es bei denen auch Supermärkte gibt, in denen sie Getränke von anderen Anbietern erwerben können.“

Hart: „Und wenn nicht?“

Scherer: „Dann sollen die sich halt was ausdenken, mein Gott…“

Hart: „Herr Scherer, zahlreiche Menschenrechtsorganisationen werfen Nestle vor, mit diesen Praktiken die Landflucht in der Sahelzone zu beschleunigen. Wenn die Menschen nicht einmal an das Trinkwasser rankommen, sehen viele keinen Grund, in der Region zu verbleiben und machen sich auf den Weg nach Europa. Wir alle haben die Szenen aus der Mittelmeerregion im Kopf…. Was geht in Ihnen vor, wenn Sie so etwas sehen?

Scherer: „Das ist einerseits natürlich schlimm zu sehen, was mit diesen Menschen passiert und glauben Sie mir, wenn es nach uns geht, sollte es jeder dieser Menschen sicher nach Europa schaffen. Das sind immerhin alles potenzielle Kunden für uns. Natürlich freuen wir uns auf der anderen Seite auch, dass die Leute derartige Gefahren auf sich nehmen, nur um dann unsere Produkte erwerben zu können. Das zeigt, welche Qualität das Wasser dieser Region hat und bestätigt uns darin, dieses hervorragende Produkt auch weiterhin auf dem europäischen Markt anzubieten.“

Hart: „So kann man das interpretieren. Aber muss man das wirklich?“

Scherer: „Aus marktwirtschaftlichen Gründen muss man das ohne Zweifel und etwas anderes interessiert uns auch nicht.“

Hart: „Zurück zu Ihrer Firma – Inwiefern spielt der Imageverlust eine Rolle bei ihrer Strategieplanung? Sie müssten doch davon ausgegangen sein, dass sich diese Kooperation schlecht vermitteln lässt?“

Scherer: „Für uns ändert sich da wenig. Die Menschen müssen es sehen, wie es ist. Wenn die Ökos weiter ihren Regenwald retten wollen, müssen sie dafür unsere Plörre kaufen. Andere Möglichkeiten haben diese Leute heutzutage ja gar nicht mehr.“

Hart: „Was mich zu einer Frage bringt, die ich mir schon länger stelle – Sie verkaufen jährlich über 5,5 Millionen Hektoliter Bier. Das sind meiner Rechnung nach 550 Millionen Liter. Auf eine Flasche a 0,5l gerechnet sind das 1,1 Milliarden Flaschen. Ein Kasten enthält 20 Flaschen. Das bedeutet, die verkaufen pro Jahr 55 Millionen Kästen Krombacher. Wenn man mit jedem Kasten Krombacher einen Quadratmeter Regenwald rettet, müsste man mittlerweile eine Fläche von ganz Asien gerettet sein. Wie machen Sie das?“

Scherer: „Ich glaube, Sie verstehen uns falsch. Wir haben immer gesagt, mit jedem Kasten Krombacher retten Sie EINEN Quadratmeter Regenwald. EINEN! Also immer den Gleichen.“

Hart: „Bitte?“

Scherer: „Ja. Sie retten einen Quadratmeter Regenwald in Brasilien. Wir haben da einen Baum erworben. Der ist auch ein bisschen was größer. Da haben wir einen Zaum herumgebaut und diesen Baum und den Quadratmeter auf dem er steht schützen Sie mit jedem Kasten, den Sie kaufen.“

Hart: „Das ist enttäuschend.“

Scherer: „Ja was erwarten Sie denn? Denken Sie etwa, wir haben nichts besseres zu tun, als halb Brasilien zu kaufen, damit McDonalds da keinen Platz für ihre Rinderherden schafft? Jetzt denken Sie doch mal realistisch.“

Hart: „Aber Herr Scherer – Dieser ganze PR-Aufriss um EINEN Quadratmeter?“

Scherer: Was denken Sie, was für ein Aufwand es ist, diesen Quadratmeter sinnvoll zu schützen? Wir setzen Tag und Nacht einen bewaffneten Wachdienst ein, der den Baum notfalls mit seinem Leben beschützt. Dazu noch die ganzen Vorbereitungsmaßnahmen, um den Zaun zu bauen und die Sicherheit zu gewährleisten. Wir mussten einen Sperrgürtel errichten lassen. 100 Meter um den Baum herum mussten wir alles roden lassen, damit sich keiner heimlich an den Baum ranschleichen kann. Einen Indianerstamm mussten wir vertreiben und deren Dorf dann auch erstmal plattmachen. Das war wirklich harte Arbeit. Sie stellen sich das alles so einfach vor.“

Hart: „Ich glaube, es ist besser, wenn ich mir nie wieder irgendwelche Vorstellungen mache.“

Scherer: „Das jetzt nicht. Sie sollten sich schon bildlich vorstellen, was wir alles machen, nur damit Sie ihr Krombacher genießen können.“

Hart: „Ja, diesen Einblick haben wir jetzt wirklich bekommen. Ich werde daran denken, wenn ich demnächst wieder im Getränkemarkt bin. Vielen Dank an Björn Scherer, dem Pressesprecher der Krombacher-Brauerei. Und hiermit wieder zurück in die Redaktion.“

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