Hauptseite Aktuelles No-Bell-Preise

No-Bell-Preise

Autor: Ewok 2. Oktober 2018

Was sprenge ich heute mal wieder?
PD, Gösta Florman

Wie jedes Jahr werden Anfang Oktober die Nobelpreise verliehen, weil jemand zu oft mit Dynamit rumspielte und ein schlechtes Gewissen bekam – und mit ihnen geht gerade bei Literatur und Frieden eine wahnsinnige Diskussion los, wer den Preis eigentlich viel eher verdient hätte. Logisch – lesen können fast alle in Deutschland und damit fühlt man sich auch befähigt, darüber urteilen zu können. Wenn irgendein in Japan geborener Brite den Literaturnobelpreis bekommt, ist das natürlich unerhört.

Von dem hat der 08/15-Deutsche noch nie gehört, geschweige denn etwas gelesen. Cornelia Funke wäre da sicherlich die bessere Wahl gewesen, die kennt man zumindest. Und mit Frieden kennen sich alle ebenso gut aus wie mit Fußball. Juan Manuel Santos 2016? Ernsthaft? Von dem haben die Deutschen auch nie was gehört.

Und so verleihen wir dieses Jahr die No-Bell-Preise – Preise, die niemand gewinnen und bei denen keine Glocke klingen sollte, denn diese Leistungen gehören zurecht in die Tonne.

Kategorie: Medizin

Sollen sie doch einfach arbeiten.
CC BY-SA 3.0, Olaf Kosinsky

Medizin ist sehr kompliziert. Wer einmal in den Körper anderer reingreift, kann ziemlich viele eklige Bakterien hinterlassen und man geht hops. Oder man lässt gleich eine komplette OP-Schere im Körper liegen. Medizin ist aber mehr als nur lebende Körper auf Verlangen aufschlitzen, es ist auch das Kümmern um alte und gebrechliche Mitglieder dieser Gesellschaft. Schon doof, wenn man mehrere Stunden in der Woche über dem eigentlichen Arbeitsvertrag arbeitet, nur, damit die Oma von nebenan bei der Heimpflege nicht aus Versehen hopps geht. Ein Beruf, der viel zu selten wertgeschätzt wird.
Trotzdem gibt es Personen, die dem noch einen draufsetzen können. Wir beglückwünschen Jens Spahn mit seiner erst kürzlich getätigten Aussage, dass Teilzeitkräfte einfach mehr arbeiten sollten, zum ersten No-Bell-Preis, den wir vergeben. Eigentlich wäre er damit auch ein heißer Kandidat für den Wirtschaftspreis, aber stützen wir uns auf den medizinischen Aspekt: Leute, die einfach mehr Stunden arbeiten, sind viel ausgeruhter, arbeiten präziser und haben vor allem Praxiserfahrung ohne Ende zu sammeln. Logisch, denn welches Unternehmen stellt heute eine Person unter 50.000 Stunden Praxiserfahrung ein? So viele sollten es dann doch schon mindestens sein. Und übermüdete Fachkräfte gibt es nicht. Aus Versehen die lebensrettenden Pillen mit Arsen verwechselt? Ja okay, kann mal passieren. Passiert auch den ausgeschlafensten Personen. Und wenn eine pflegebedürftige Person mehr hopps geht, hat die Fachkraft mehr Zeit für alle anderen. Ist ja auch okay.

Kategorie: Physik

Hübsches Moor haben Sie da. Wäre doch echt schade, wenn…
CC BY-SA 3.0, Frank Vincentz

Im Sommer hat es nicht gerade viel geregnet. Trockenheit hat weite Landstriche ausdörren lassen und in Bonn dachte sogar ein Busch, er sei in biblische Zeiten zurückkatapultiert worden und hat sich einfach spontan selbst entzündet. Das kennt man sonst nur zu Weihnachten, wenn Tannenbäume spontan anfangen zu brennen, weil jemand eine Kerze auf die Zweige gestellt hat. Tja, und dann brennt’s. Es ist und bleibt ein Rätsel.
Die Trockenheit führte dazu, dass in einigen Ortsteilen das Grillen nicht erlaubt war, Raketen sowieso nicht und überhaupt, bitte keine glimmenden Zigaretten aus dem offenen Autofenster werfen. Bei geschlossenem war es weiterhin erlaubt, aber das hat merkwürdigerweise niemand versucht. Dummerweise hat es Meppen versäumt, zu spezifizieren, dass Bundeswehrraketen nicht zu verbieten. Und vielleicht hat man eh gedacht, dass Raketen, die zum Töten von Menschen gedacht sind, gar nicht brennen. Die explodieren schließlich. Da brennt nichts.
Der No-Bell-Preis in der Kategorie Physik geht deshalb an die Bundeswehr für den Moorbrand im Emsland für die Annahme, dass Raketen nur explodieren, aber nichts in Flammen stecken. Oder aber für die Erkenntnis, dass kaputte Löschraupen, wie sie die Bundeswehr zum Löschen etwaiger Brände bereitstehen hatte, nicht löschen können. Irgendwas mit Physik und so. Glückwunsch!

Kategorie: Chemie

Man beachte, dass Trumps Anzughose viel zu groß ist. #FashionVictim
PD, Dan Scavino Jr.

Chemie is für ziemlich viele Sachen gut. Zum Beispiel fürs Klo. Wenn die Toilette mal wieder verstopft ist, haut man ein bisschen Chemie rein und dann flutscht es wieder ordentlich.
Chemie kann aber auch etwas anderes bedeuten. Keine Chemie ist so gut wie die zwischen Donald Trump und Kim Jong-Un. Ob dies nun auf einer rein politischen Ebene ist oder ob die Chemie auf einem Level mit Dennis Rodman ist, kann man noch nicht genau sagen. Vermutlich wird man das auch erst am Ende der Ära Trump – möge sie bitte kurz sein – ersichtlich sein, wenn dieser eine Anschlussstelle sucht. Nach dem Präsidialamt kann sich Trump als Elder Statesman nicht zurückziehen, selbst dort muss er es besser machen als Barack Obama. Kim Jong-Un könnte ihm dann einen Job als Berater anbieten. Wenn Trump schon sagt, Kim könne ihn jederzeit anrufen oder die beiden seien schon richtig verliebt miteinander, könnte vielleicht sogar noch mehr laufen als nur eine berufliche Beziehung.

Kategorie: Frieden

Wo nix ist, kan nauch nix brennen.
PD, Johannes Fasolt

Der Weltfrieden muss immer klein angegangen werden. Das kann zwischen zwei Ländern sein, oder zwischen zwei Regionen, zwischen zwei Nachbarn…oder aber im Wald nebenan. Frieden bedeutet, dass es keinen Streit gibt, sondern man sich schön einig ist. Oder man sich zumindest einig ist, dass man sich uneins ist. Früher oder später wird daraus ein neuer Kleinkrieg. Der Stromkonzern RWE hat sich jetzt einen kompletten Wald gekauft, um ihn zu roden. Unter dem Hambacher Forst ist nämlich eine Menge Kohle, die man gerne verbrennen will. Egal, dass man damit nicht mehr die Klimaziele Deutschlands erreichen könnte. Egal, dass der Walt 10.000 Jahre alt ist. Egal, wenn da irgendwelche Baumknutscher in ihren Baumhäusern leben. Dan nfragt man einmal kurz bei der NRW-Landesregierung an und die sagt sich dann “Ohoho, Brandschutzbestimmungen. Es war ja so trocken und so. Da müssen wir was machen.” Und bevor der ganze Wald abfackelt, weil sich einige dort im Busch kloppen, wird das ganz schnell durch die Polizei befriedet, indem alles Brennbare weggemacht werden soll. Bäume brennen auch. Also auch wegmachen. Den Preis teilt sich RWE also mit der Landesregierung NRWs. Super!

Kategorie: Literatur

Die Grenzen werden neuerdings im Klassenzimmer verteidigt. Notfalls schießt von Storch auch auf Kinder.
CC 1.0, Anaconda74

Das Autorenkollektiv vergibt sich nicht selbst den Literaturpreis. Das wäre selten dämlich und außerdem stinkt Eigenlob am meisten. Trotzdem würde das Autorenkollektiv gerne ein anderes Kollektiv auszeichnen, das im ersten Moment vielleicht gar nicht mutwillig zusammengearbeitet hat.
Die Alternative für Deutschland, die für Deutschland eine ähnliche Alternative ist wie Bungeejumping mit einem Stahlseil. Kann man machen, geht aber nicht wirklich gut aus. Moment, Satzbau: Geht aber wirklich nicht gut aus. So versuchen sie sich an die Leute der Gesellschaft zu wenden, die ihre Handlungen noch gar nicht vollumfänglich reflektieren können. Damit sie das können, gibt es Politikunterricht. Oder generell Schule. Man soll seine Aktionen überdenken, reflektieren und bewerten. Dass Kinder das von ihrer Entwicklung her eher schlecht als recht schaffen, liegt in der Natur der Sache. Und so plaudern sie alles aus, was ihnen irgendwie wichtig vorkommt, wenn man sie darum bittet. Die AfD Hamburg hat das erkannt und bittet nun Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern darum, auf ihrer Website missliebige Lehrkräfte zu melden, die etwas gegen die AfD sagen oder die AfD im Unterricht erst gar nicht behandeln. Oder generell gegen das Neutralitätsgebot verstoßen.
Das Dumme ist nur, dass die AfD das Prinzip der Neutralität überhaupt gar nicht verstanden hat. Und so bekommt sie seitdem in gehäufter Form Rückmeldung in Form zahlreicher Petzenden, die die AfD mit Meldungen bombardiert. Und vielleicht merkt dann die Alternative, dass ihr Meldeportal eine Scheißidee ist. Just sayin’.

Kategorie: Wirtschaft

Die Amis könnten auch einfach das ganze McDonald’s-Spielzeug aus China über Bord werfen, so wie damals.
PD

Obwohl eigentlich kein No-Bell-Preis im eigentlichen Sinne, so ist er in Anlehnung an den eigentlich-kein-Nobelpreis in Wirtschaft ebenfalls hier erwähnt. Die Wahl fällt hier tatsächlich recht einfach: Donald Trump gewinnt zum zweiten Mal einen Preis. Das würde ihn sicherlich freuen, hat er doch verstanden, worauf es in der Wirtschaft wirklich ankommt: Dem Wirtschaftspartner zu schaden und ihn mit Strafzöllen zu belegen ist wahrlich etwas, was alle machen sollten. Die Europäische Union belegt Afrika mit Zöllen. Vielleicht ist dann auch Horst Seehofer zufrieden, weil er dann endlich etwas gegen Einwanderer gemacht zu haben.
Vermutlich wird er das am Ende sogar tatsächlich glauben. Wow.

Kommentieren